Kapitel 2

Verärgert stiefelte ich aus dem Büro des Rektors. Das hatte mir noch gefehlt. Waren Montage nicht ohnehin schon schlimm genug? Gleich morgens um acht Deutsch und jetzt auch noch das. Ich wollte grad aus dem Sekretariat stürmen, da hielt mich der CordHosen Nerd auf. „Deine Freundin hat sich nach dir erkundigt. Sarah hieß sie glaub ich. Ich hab ihr gesagt, dass du mit der Polizei redest.“ Na toll. Sarah. Eine Freundin war sie jedenfalls nicht. Manchmal fühlte ich mich wie in einer drittklassigen Ausgabe von „Girls Club – Vorsicht bissig“. Nur das Sarah nicht nur ein Miststück ohne Skrupel war, nein die machte auch noch allen das brave Pfarrerstöchterchen vor.                               Das hatte mir zu diesem beschissenen Tag noch gefehlt. „Danke für die Info“, murmelte ich und riss mich los. Als ich in die Pausenhalle kam stand Sarah auch schon da. Mit dem Handy in der Hand, aus dem rein zufällig „Gangsters Paradise“ von Coolio dröhnte. Ich biss die Zähne zusammen. Diese prüde Zicke kann mich mal. Ich zieh mein Handy hervor und gebe ihr mit „Amish Paradise“ von Weird AL Yankovic kontra. „Erschreckend, wie schnell es mit dir abwärts geht“, flötet sie vor sich hin. „Naja, wenigstens hab ich noch Platz nach unten. Einige sind schon so tief gesunken, dass über ihnen höchstens noch `ne Kellerwohnung frei werden könnte“, schieße ich zurück und verschwinde in die Bücherei, da ich weiß, dass sie mir dahin nicht folgt. Sie meinte mal irgendwas wegen gesellschaftlichem Selbstmord. Doch wider Erwarten schlüpft sie hinter mir durch die Tür. Wenn niemand dabei ist, der ihr blöd kommen könnte, scheint das mich der Bücherei nicht so eine große Sache zu sein. Anscheinend siegt das Verlangen nach dem neuesten Tratsch wohl über ihren Ekel vor Büchern. Als würde ich mir der über irgendetwas reden. „Du bist jetzt also eine Kriminelle. Die Polizei hat ausdrücklich darum gebeten, dich aus dem Unterricht zu holen und dich bis zu ihrem Eintreffen festzuhalten“, schwafelte sie vor sich hin. „Uh lala, da hat aber jemand mit dem Sekki-Nerd gefummelt, um an solche Infos zu kommen. Und du nennst mich kriminell?“, sage ich ohne aufzuschauen. Das war zu viel für sie. „Ich werde sowieso  rausfinden, was da gelaufen ist und ich verspreche dir, ich werde dein kleines Geheimnis verbreiten.“ Sie stapft wieder aus der ihr so verhassten Bücherei, wobei sie der Bibliothekarin noch mal einen angewiderten Blick zuwirft.

5.5.12 16:59

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